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12Apr

Ryder Cup 2018 – Golfkrise oder der Sechser im Lotto?

Ryder Cup 2018 – Golfkrise oder der Sechser im Lotto?

Das wichtigste Golfturnier der Welt soll nach Neuburg kommen, wenn es nach dem Willen des Wittelsbacher Golfclubs geht. „Emotions made in Germany“ verspricht die Bewerbung, und an Emotionen mangelt es der Diskussion wahrlich nicht.

Auch bei uns Grünen hat es viele Diskussionen über das Thema gegeben. Sowohl unsere Stadtrats- und Kreistagsmitglieder als auch die Mehrheit im Kreisverband haben sich grundsätzlich für die Veranstaltung ausgesprochen – mit etlichen Vorbehalten.

Kritik an der Veranstaltung, vor allem von Seiten der BI, gibt es auf verschiedenen Ebenen.

So heisst es dort insbesondere, wertvolle Kulturlandschaft gehe verloren. Mit „Kulturlandschaft“ sind Äcker gemeint, auf denen konventionelle Landwirtschaft betrieben wird. Die betroffenen Landwirte mögen dies bedauern, ich persönlich kann hier jedoch keinen relevanten Nachteil erkennen. Ökologisch ist die Rasenfläche eines Golfplatzes, auch wenn das Gras gärtnerisch bearbeitet wird, wesentlich wertvoller als regelmäßig gedüngtes Ackerland; die gestalterischen Elemente des Golfplatzes bilden interessante Biotope für verschiedene Tier- und Pflanzenarten.

Nicht zu vergessen: Wo ein Golfplatz liegt, wird so schnell keine Industriefläche hingepflastert. Ästhetisch ist meinem bescheidenen Empfinden nach ein Golfplatz gegenüber einem Acker in der Regel vorzugswürdig. Und der Verlust an landwirtschaftlicher Produktion ist bei der in Rede stehenden Fläche schlicht irrelevant.

Das Verkehrsaufkommen ist demgegenüber ein deutlich größeres Problem. Es wird eine sechsstellige Zahl an Gästen erwartet, die zweifellos nicht sämtlich mit dem Fahrrad anreisen werden. Allerdings spielt es im Hinblick auf das gesamte Verkehrsaufkommen keine Rolle, ob die Veranstaltung in Neuburg, Paris oder Lissabon stattfindet. Die jeweiligen Transportwege(-kosten) unterscheiden sich kaum.

Und die Veranstaltung wird stattfinden, egal an welchem Ort, und zwar in 2018 genau einmal. Dass der Verkehr im Landkreis eine erhöhte Belästigung mit sich bringt, ist unschön; hier geht es allerdings um einen Zeitraum von wenigen Tagen. Dies sollte auch Anwohnern und Pendlern noch zumutbar sein. Die Parkplatzfläche kann nach den vorliegenden Planungen zum größten Teil wieder zurückgebaut werden, und der Umfang der durch den Verkehr eintretenden Bodenverdichtung ist – bei Einhalten der Planungen – unproblematisch.

Zum Thema Versiegelung. Der dreispurige Ausbau der B16 ist beschlossen, unabhängig vom Ryder Cup. Der vierspurige Ausbau ist wohl vom Tisch, unabhängig vom Ryder Cup. Mit ein bißchen Glück gibt es sogar eine Verbesserung der Bahnverbindung. Der Unterschied ist also die Straße zwischen B16 und Golfplatz, die Fläche des Hotels und die Fläche des dauerhaften Teils des Parkplatzes. Schlechter als nichts, aber im Vergleich mit vielen anderen Projekten vertretbar.

Dies führt mich zum Zwischenergebnis:
Wenn die vorliegenden Planungen eingehalten werden (was natürlich zugegebenermaßen keine Selbstverständlichkeit ist), spricht aus meiner Sicht grundsätzlich nichts Wesentliches dagegen, den Ryder Cup in Rohrenfeld zu veranstalten.

Nun geht es aber auch ums Geld. Stadt und Landkreis schießen, zusätzlich zu den Kosten für Planung und Infrastruktur, rund 1,5 Millionen Euro zu – für eine Veranstaltung, die Gewinne im oberen zweistelligen Millionenbereich fest einkalkuliert hat. Das ist mit Blickrichtung Veranstalter „ausgschamt“, mit Blickrichtung Stadt und Landkreis bei freundlicher Betrachtung blauäugig, bei unfreundlicher Betrachtung „damisch“.

Entgegen den Versprechungen von Veranstalterseite ist nämlich nicht einmal ansatzweise erkennbar, wie sich dies für unsere Gebietskörperschaften bezahlt machen soll. Von geplanten 150.000 Besuchern, die Geld „in der Region“ lassen sollen, kann nur ein einstelliger Prozentsatz im Landkreis übernachten, weil es schlicht an der Bettenkapazität mangelt. Ähnliches gilt für Essen und Shopping. Wenn man ganz großzügig rechnet, kommt man damit für die Veranstaltung und die vorangehenden Baumaßnahmen aufGewerbesteuermehreinnahmen in einer Größenordnung von 100.000 Euro im ganzen Landkreis. Ich wage jedenfalls auch zu behaupten, dass die ach so zahlungskräftigen internationalen Golftouristen Ihr überzähliges Geld eher in der Maximilianstraße ausgeben als beim Keidler oder Zierer.

Auch langfristig sieht die Situation nicht besser aus. Neuburg soll ein zusätzliches Hotel bekommen(positiv), weit weg von der Stadt (negativ), das ein paar zahlungskräftige Golftouristen anlocken soll, die ihr Geld aber wieder in München ausgeben werden; mit einigen neuen Arbeitsplätzen (positiv), die durchweg prekär beschäftigt sein werden (negativ). Macht insgesamt noch einmal 15.000 Euro Steuermehreinnahmen im Jahr, oder einen Return on Investment von ganz grob 1%. Verantwortungsvolles Wirtschaften sieht anders aus, und Sportförderung wäre vielleicht besser untergebracht bei den ohnehin ständig am Rande der finanziellen Leistungsfähigkeit operierenden örtlichen Vereinen als bei einer Veranstaltung, die ohnehin schon zig Millionen Euro Gewinn bringen wird.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass gegen die Veranstaltung selbst keine größeren Bedenken bestehen.

Die tatsächliche Umsetzung der Planungen werden wir sehr kritisch begutachten (das von interessierter Seite angedachte „Verschieben“ von Ausgleichsflächen kommt etwa gar nicht in Frage)
Die Zahlungszusagen von Stadt und Landkreis sind allerdings, gerade im Hinblick auf die schlechte Haushaltslage, schon nahe an der Untreue.

 

Hier einige Links um sich ein Bild machen zu können:

Verfasst am 12.04.2011 um 11:17 Uhr von mit den Stichworten , , , , , .
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