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10Jun

Stadtwerke und Strompreiserhöhung

Stadtwerke und Strompreiserhöhung

Strompreiserhöhung zum 1.4.2011

Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere – warum die Gewinne der Stadtwerke nicht mit der Erhöhung korrespondieren.

Eine Zeitlang stand Neuburger Strom erfreulich weit vorne bei Verivox, jetzt ist Schluss damit:

Am 1.4.2011 erhöht sich der Preis und Neuburg rangiert unter „ferner liefen“.

Dabei kostet es den Stadtwerken mehr als 200 000 €, die zum 1.1. erfolgte Preiserhöhung der Lieferanten erst ein Vierteljahr später weiterzugeben. Billig wird es dadurch aber nicht.

Schlimmer ist jedoch, dass die Stadtwerke noch immer keinen wirklich ökologisch verantwortbaren Strom aus echt umweltfreundlicher Erzeugung liefern können.

Der „Donaustrom“ bringt es nicht, er stammt zwar aus Wasserkraftwerken, die sind aber alt und abgeschrieben, die Einnahmen der Betreiber werden zwar zur Gewinnmaximierung, nicht aber zur Erneuerung und technologischen Verbesserung hergenommen. Andere Lieferanten wie Naturstrom, Lichtblick oder Greenpeace machen vor, wie es geht – inzwischen sogar billiger und natürlich ökologischer.

Für kleine Stadtwerke ist der Stromeinkauf an der Börse schwierig, man hat nicht das Personal, ständig den Markt zu beobachten, noch die Möglichkeit, durch den Kauf großer Mengen Rabatte zu generieren. So muss die Erhöhung der Vorlieferanten grundsätzlich weitergegeben werden, der schmale Gewinn wird reinvestiert.

Die vier Großkonzerne, nicht unzutreffend Viererbande genannt, haben solche Probleme nicht. Sie sahnen ab.

So berufen auch sie sich bei ihrer Erhöhung der Preise einfach auf die Steigerung der EEG-Umlage für 2011 auf rund 3,5 Cent/Kilowattstunde. Ursache für den deutlichen Anstieg der Umlage ist zwar tatsächlich der erfreulich massive Ausbau der Photovoltaik und der Zuwachs bei den Biogasanlagen. Ihre Förderung ist auch gerechtfertigt, die erneuerbaren Energien bieten bereits heute rund 340.000 Menschen einen Job.

2004 waren es nicht halb so viele. Dadurch wird Deutschland immer unabhängiger von Energieimporten, bereits jetzt jährlich um mehr als 5 Mrd. €.

Die gesamte Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien betrug 2009 ca. 37,5 Mrd. €, die Emission der Treibhausgase wurde um rund 109 Mio. Tonnen vermindert.

Hatten nun die Konzerne also Grund zur Erhöhung?

Nein, sie verschweigen, dass die Preise an der Strombörse für 2011 derzeit auch dank Erneuerbarer Energien günstiger geworden sind, was eine dämpfende Wirkung haben müsste.

Darauf wies sogar die Bundesnetzagentur hin: „Nach unseren Berechnungen müsste der Beschaffungskostenanteil bei den Haushaltskunden 2011 durchschnittlich um etwa einen halben Cent pro Kilowattstunde sinken“, heißt es in deren Mitteilung.

Vom Anstieg der EEG-Umlage dürfte am Ende nur ein Cent tatsächlich bei den Kunden ankommen. Die Bundesnetzagentur fordert sogar auf, „die Angebote am Strommarkt genau zu prüfen und gegebenfalls zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln“.

Wenn man dann noch lesen muss, dass die Gewinne bei eON schon im ersten Halbjahr 2010
über 6 Milliarden € betrugen, das gesamte Kartell weit über 120 Milliarden in den letzten Jahren vereinnahmt hat, dann weiß man, warum die kleinen Stadtwerke solch süße Früchte nie haben werden.

Wenn sie aber endlich vom Stromein- und verkäufer zum Stromerzeuger mutieren würden, könnte sich zumindest die Abhängigkeit erheblich reduzieren und sie würden, wenn schon keine Gewinne wie EON, so doch für ihre Bürger und die Umwelt etwas Gutes machen.

 

Theo Walter
Stadt- und Kreisrat

Verfasst am 10.06.2011 um 11:20 Uhr von mit den Stichworten , , , , , .
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